Als Kaffee noch aus Uerdingen kam...
Das historische Luftbild zeigt die Kathreiner Malzkaffeefabrik in Krefeld-Uerdingen an der Duisburger Str. und gibt einen Eindruck von der Größe des Unternehmens, das 1895 seine Produktion aufnahm.
Die ehemalige Malzkaffeefabrik hinterließ uns Sireneninteressierte eine Rarität. Eine Rarität, dessen Rückbau sich über zwei Jahren hinweg zog. Eine Rarität, für die viel Fleiß und Nerven geflossen ist. Aufgrund der baulichen Gegebenheiten und des Zustands vor Ort gestaltete sich die Aktion entsprechend aufwendig.
Die Sirene befand sich auf einem der beiden heute noch erhaltenen Gebäude der ehemaligen Kathreiner Malzkaffeefabrik in Uerdingen. Im Laufe der Zeit wurde zusätzlich eine Hörmann ECN 600 auf dem Gebäude installiert, die bereits seit mehreren Jahren nicht mehr in Betrieb ist. Das betreffende Gebäude wurde in der Nachnutzung über viele Jahre hinweg unter anderem als Veranstaltungsort genutzt und ist daher auch unabhängig von seiner ursprünglichen Funktion im Stadtteil als "BayTreff" bekannt gewesen.
Nach meinen Recherchen handelt es sich bei dem Gebäude um ein kombiniertes Betriebsgebäude, das zur damaligen Zeit sowohl dem Werkschutz als auch als Eingangsbereich diente und darüber hinaus bereits erste betriebliche bzw. produktionsnahe Funktionen erfüllte. Diese Mehrfachnutzung erklärt auch die vergleichsweise großzügige und teilweise hallenartige Innenstruktur des Gebäudes.
Nach einigen Besichtigungsterminen und Absprachen stand fest - das Dach darf nicht betreten werden. Verschiedene Gutachten sollen ergeben haben, dass das Dach einsturzgefährdet ist, was sich auch als einer der Gründe für die Schließung des Gebäudes als Veranstaltungsort herausstellte. Die alte Sirene befindet sich so zentral auf dem Gebäude, dass für die Demontage keine gewöhnliche LKW-Arbeitsbühne in Frage kam. Durch intensive Prüfungen und Begehungen, welches Gerät an die entsprechende(n) Sirene(n) herankommt, hat sich ein Fahrzeug als das "Gerät der Demontage" bewiesen. Hierbei handelt es sich um einen der größten Autokräne aus Aluminium, die es aktuell auf dem Markt gibt. Die Rede ist von dem Klaas K2500, welcher im Kranbetrieb eine Hakenhöhe von 58m und eine Reichweite von 46m erreicht. Im Bühnenbetrieb schafft dieser eine Höhe von 52m und 42m seitliche Reichweite. Das Gerät war ideal, da wir so leicht über die Störkante des Gebäudes kommen konnten. Dieses war nämlich 10m hoch und die zu demontierende Sirene befand sich ca. 26 m weiter hinten auf dem Gebäudedach.
Neben der Genehmigung vom dort ansässigen Chemiekonzern für die Demontage der alten Sirene lag mir ebenso die Zustimmung der Stadt Krefeld zum Rückbau der ECN 600 vor, da die Stadt an der Sirene aus Kosten-/Nutzungsgründen nicht interessiert war. Vor einiger Zeit wurde wenige hundert Meter eine neue Anlage aufgestellt. Aufgrund der Einsturzgefährdung, die vom Gebäudedach ausgeht, war eine Demontage für die Stadt selbst nicht attraktiv. Welchen Zweck die Sirene letztendlich erfüllt hat, wusste nun auch keiner mehr. Die Steuerung der Sirene wurde allerdings als Reserve-Anlage demontiert.
Am Tag der Demontage ging alles ziemlich schnell. Mithilfe des großen Alu-Autokrans waren die Sirenen leicht zu erreichen. Als die alte Sirene, welche im Vorhinein bereits als HELIN der VS-Reihe vermutet wurde, abgebaut war, konnte der Typ nun endgültig identifiziert werden. Es handelt sich hierbei um eine VSM 5. Die Bezeichnung steht für "Vertikal-Sirene Morse 5".
In meinem ersten Beitrag zum Thema HELIN und der VS-Reihe ging es ebenfalls um eine VS 5. Diese und weitere bekannte weisen jedoch eine völlig andere Bauform als die jetzige HELIN auf, was besonders am Motorblock zu erkennen ist. Diese Bauform ähnelt der VS 6 aus Troisdorf stark, ebenso wie der Klemmkasten. Nach längerem Fachsimpeln stand für mich fest, dass es sich hierbei um eine ältere Bauform handelt, was auch an der Seriennummer zu erkennen ist. Hier haben wir eine 4-stellige Nummer, wohingegen die andere VS 5 eine 5-stellige Nummer aufweist. Besonders zu erwähnen ist die Morseeinrichtung bei diesem Modell. Wie man unschwer erkennen kann, ist eine interne Inventarnummer in Form eines Schildes auf der Sirene verewigt worden. Bedauerlicherweise läuft die Sirene mit 110/100 Volt, wodurch sich das unkompliziertes Anklemmen an ein übliches 400 Volt Netz nicht so leicht umsetzen lässt
Die Sirene wird im nächsten Schritt auseinandergebaut, so dass der Rotor wieder frei drehen kann. Erfahrungsgemäß wird das ein großes Vergnügen, da Rotor und Stator bereits durch Korrosion miteinander verschmolzen sind. Da bei meiner anderen VS 5 der Stator schon vollständig zerstört war, konnte man die entsprechenden Stellen gut bearbeiten. Bedauerlicherweise geht das in diesem Fall nicht so leicht. Weitere Informationen folgen.
Die Rettung der VSM 5 schließt eine weitere und bedeutsame Lücke in der Erforschung der kaum bekannten Produktionsreihe der VS-Sirenen von Helin aus Hagen.
Kapitel II: Hagen's HELIN VSM 5 - Rückbau einer ehem. Werkssirene der Kathreiner AG
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